Spiegelsucht

Damit ist nicht gemeint, dass man ständig in den Spiegel schaut und begeistert ist von dem, was man sieht. Auch wenn es gern so dargestellt wird. (In meinem Fall gibt es ohnehin wenig Erfreuliches zu sehen).

Spiegeln meint, dass man im anderen Bestätigung sucht. Die Bestätigung eines idealen Selbst beispielsweise. Aber auch Lob, Anerkennung, Zuwendung. Man will so gesehen werden, wie man sich selbst gern hätte. Das falsche Selbst, das aus Überanpassung entstand, will genährt werden.

Wird nicht das gespiegelt, was man sich erhofft oder von dem man felsenfest überzeugt ist, können Wutausbrüche und Entwertung folgen. Ja, es ist regelrecht eine Kränkung „falsch“ oder „anders“ gesehen zu werden.

Ich bin wirklich selten wütend, wenn, dann aber richtig. Und meistens aus oben genannten Gründen. Manchmal erkenne ich mich (im Nachhinein) selbst nicht wieder. Da mich meine festsitzende Maske immer als besonders lieb und nett präsentiert, ist der Schock für andere nach einem Wutausbruch sehr groß. Ich sehe immer wieder den ehrlichen Schrecken in den Augen meines Gegenübers, weil es nicht damit rechnete, dass so viel Kälte in mir steckt.

Leider fühlt es sich gut an, denn auch das ist eine Spiegelung. Plötzlich werde ich nicht nur als liebes Hascherl gesehen, sondern als jemand, vor dem man Respekt haben muss. Der überlegen sein kann. Ich weiß, es ist nicht besonders sympathisch. Was mir hilft, ist, die Hintergründe zu verstehen. Letztlich habe ich einen fragilen Selbstwert und ein unsicheres Selbst, das sich auf nicht optimale Weise schützen will. In der TP ging es mir gut. Daran will ich wieder anknüpfen.

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Autor: Maskenspiel

Ich schreibe über verdeckten Narzissmus und Zwänge.

11 Kommentare zu „Spiegelsucht“

  1. tp steht als Abkürzung für:
    Trompete, von englisch trumpet, in musikalischen Partituren oder Besetzungslisten
    .tp, Top-Level-Domain von Portugiesisch-Timor
    🙂 🙂
    Es kann ja wohl weder das eine noch das andere sein, was ist also TP ?
    Übrigens ein tolles Foto !

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  2. Dein Blog ist extrem interessant für mich (und sicher auch für ganz viele andere Menschen), da ich ein sehr problematisches Leben u. a. durch einen pathologisch narzisstisch gestörten Vater hatte und immer noch habe. Ich finde es einfach großartig, dass Du zu solch einer Selbstreflexion im Stande bist und weiß, dass das unheimlich schwer und eine echte Ausnahme ist. Ich habe immer wieder von meinen Therapeuten gehört, dass sie selten die Narzissten in der Therapie haben (fehlende Einsicht), aber haufenweise deren „Opfer“. Nun gibt es da ja eine Menge Subtypen und Menschen sind halt auch per se sehr unterschiedlich. Aber die Mechanismen des Narzissmus gleichen sich in vielen grundsätzlichen Betrachtungen und ich empfinde es als unheimlich hilfreich, wenn ein Betroffener seine Empfindungen darstellt, so dass die schwierigen Verhaltensweisen meines Vaters (vom „großartigen“ Typus) irgendwie verständlicher für mich werden und vielleicht dann besser ertragen werden können. Denn es ist ein großer Unterschied, ob ein Wissenschaftsjournalist oder eben ein Betroffener schreibt. Danke für Deinen Mut und diesen Blog.

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  3. Ich habe wochenlang nach der perfekten Literatur für diese Thematik gesucht. Es ist so unglaublich vielseitig aber auch gleichzeitig missverständlich. Gleichzeitig so unglaublich logisch, dass es eig jeder(bewusst oder unbewusst) tut. Das Gegenüber spiegeln. Das Spiegeln ist für Menschen, die diese als solches erkennen können, unglaublich wertvoll. So habe ich für mich erkannt, dass ich verschiedene Dinge in meinem Leben brauche und meine Glaubenssätze noch einmal durchdenken muss. Ich denke, dass dies bei den Borderlinern(da diese mehr oder weniger auf das spiegeln angewiesen sind aufgrund der fehlenden Ich-Struktur) und u.a. auch Narzissten usw.. besonders ausgeprägt scheint. Ein sehr interessanter Beitrag aufjedenfall. Habe ich sehr gerne gelesen 🙂 Ganz liebe Grüße.

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